E-Mail Kampagne gegen die Netzfischerei im Rheindelta
Informationen - Wo endet der Lachs? Lesen
Rheinlachse in niederländischen Netzen
Was können wir tun? Lesen
Informationen - Waar blijft de zalm? Lesen
E-Mails aus Deutschland Lesen
E-Mails aus den Niederlanden und Belgien Lesen
Stellungnahmen Lesen
Sie sind hier: Pressearchiv > Presse 2005 > De Volkskrant, Juli 2005
Übersetzung ins Deutsche:
Die Rückkehr des Lachses in den Niederländischen Flüssen geht nur ganz langsam voran. Seit 1987 wurden in den Rheinanliegerstaaten Millionen Euros investiert, um den Lachs endlich wieder in seine alte Heimat zurückkehren zu lassen. Allerdings: Viele Lachse verschwinden in Reusen und Netzen der Berufs- und Nebenerwerbsfischer in den Niederlanden und werden illegal verkauft.
Von Jeroen Trommelen
Wann benötigen Sie sie und wieviele?. Berufsfischer Leendert Nobel aus Nieuw Beijerland ist über das Telefon sehr hilfsbereit auf seinem Boot auf dem Haringvliet. Momentan hat er leider keine Lachse im Verkauf. Ich fische jetzt mit kleinen Reusen. Besser kommen Sie im Herbst oder Frühjahr, dann fange ich manchmal etwas. Ebenso Fischhändler Struik aus Werkendam, der selber keine einheimischen Lachse im Vorrat hat, aber jemanden kennt, der darauf fischt. Ich werde ihn über ihr Interesse informieren? Reine Atlantische Lachse dürfen wir aber nicht erwarten, sagt er schon voraus. Was wir hier am meisten fangen, sind Schottsalme (Meerforellen).
Auf der sonnige Strandpromenade von Ymuiden, Glas Bier im Hand, spricht Fischer und Restaurantinhaber Rob Timmers in seinem Restaurant De Hekselketelebenso offen darüber. Schon fünfzehn Jahre fischt er mit Kiemennetzen vor der Küste vom Zandvoort bis Ymuiden. In diese Netze geraten in zunehmender Zahl auch Lachse. Es geht dem Lachs gut, behauptet er. In seinen Netzen findet er mehr Lachse als früher. Wie die Seehunde, ruft ein fröhlicher Stammgast an der anderen Seite des Tisches. Genau sagt Timmers, wie die Seehunde, die immer mehr die Fische aus meinen Netzen wegfressen und die Angst vor den Menschen ganz verloren haben.
Wie es jetzt mit dem Lachs ist? Vergangenes Jahr war gut, aber dieses Jahr ist es etwas weniger. Es sind Beifänge, die selten mehr als 20 Kilogramm an einem Abend betragen. Weil man die offiziell zurücksetzen soll, gibt es keinen Handel mit ihnen. Aber wegschmeissen? Das ist natürlich zu schade. Auf der Menükarte seines Restaurants führt er keine einheimischen Lachse. Die gehen an Freunde und Bekannte oder wir essen die selber.
Die Frage nach Lachs oder Meerforelle erzeugt bei den Niederländischen Fischern offensichtlich wenig Aufsehen. Fänge und Verkauf von dieser seltenen, und von Biologen und Behörden gehegten Fischen, sind zwar verboten, aber das bedeutet in der Szene nur wenig. Die Fische bilden einen schönen Beifang, der kaum oder nicht kontrolliert wird. Die niederländische Fischerei ist somit mit verantwortlich für die äußerst langsame Rückkehr des Lachses im Rhein.
Das symbolische Wiederansiedlungsprojekt für diesen Fisch wurde 1986 in Gang gesetzt durch die ehemalige niederländische Ministerin für Verkehr und Wasserstraat, Neelie Smit-Kroes. Anlass war die Sandoz-Katastrophe, wodurch der Rhein in großen Abschnitten vergiftet wurde. Deutschland, Frankreich und die Schweiz sind sehr am Lachsprojekt beteiligt und investieren darin noch immer Millionen Euros. In den vergangenen fünfzehn Jahren sind Millionen Lachse in deutschen, französichen und schweizerischen Seitenflüssen des Rheins ausgesetzt worden.
Aber die Rückkehr des Lachses lässt noch auf sich warten. Wehre und Wasserkraftanlagen, die die Rückkehr verhindern oder die Fische zerhackseln, werden als Hauptursachen vermutet. "Das stimmt nur teilweise", meint Andre Breukelaar von Untersuchungsinstitut RIZA. Er schätzt, dass ungefähr ein Lachs von sechs zurückkehrenden Lachsen in den Niederlanden durch Berufsfischer weggefangen wird. So war es wenigstens vor fünf Jahren, als sein Institut entsprechende Untersuchungen vornahm. Für diese Untersuchungen wurden Lachse mit Radiotranspondern versehen, für die es Rückmeldungsprämien gab. Ein Teil der Transponder kam zurück via Fischversteigerungen, wodurch deutlich wurde, was mit den Fischen geschehen war. Seitdem ist die Fischerei auf Lachs und Meerforelle verboten, aber es bleibt die Frage, ob dieses Verbot beachtet wird. Der Allgemeine Inspektions Dienst (AID) vom Ministerium für Landwirtschaft, Natur und Nährungsqualität soll die illegalen Fänge kontrollieren, betont er nachdrücklich. Aber der AID weise darauf hin, dass es keine Beweise gebe, dass Lachse und Meerforellen illegal verwertet werden. Laut einer Sprecherin dieses Dienstes, bestehe kein Grund für gezielte Kontrollen. Und während der regulären Kontrollen werde nicht speziell darauf geachtet.
Dass die symbolische Rückkehr des Lachses nicht ohne große Problemen verläuft, ist aber kein Geheimnis. "Weniger als ein halbes Prozent von den besetzten Fischen kehrt als erwachsener, laichreifer Lachs zurück", sagt Jan Klein Breteler, Sekretär des Lachsrates, der den niederländischen Einsatz bei der Rückkehr des Lachses koordiniert. Für eine neue, dauerhafte Population im Rhein sei das aber viel zu wenig. Besetzte Lachse könnten manchmal den Fluss, wo sie ausgesetzt worden sind, nicht mehr wiederfinden. Wehre und Dämme versperrten den Weg, die Qualität der Laichplätzen sei noch nicht gut. Aber auch die Fischerei spielt eine Rolle. Ich wäre nicht erstaunt, wenn die Fischer ihr Verhalten seit dem Verbot vor fünf Jahren nicht geändert haben.
Berufsfischer, die gezielt auf Lachs fischen, gibt es nicht, denkt Experte Erwin Winter vom Untersuchungsinstitut RIVO. Wegen der niedrigen Zahl der Lachse, die es in Niederland gebe, würde sich das auch nicht rentieren. Lachse werden in Reusen und Kiemennetzen in den Flussmündungen von Maas und Rhein gefangen und auch in Aalreusen, von denen Tausende gestellt werden. Zusammen bilden sie ein viele Kilometer langes, feinmaschiges Netzwerk, das fast alles hereinlockt was schwimmen oder krabbeln kann. Die Chance, dass ein Lachs in einer Reuse überlebt, ist sehr klein. Diese Art ist sehr empfindlich gegen Stress. Auch brauchen die Lachs-Beifänge nicht sehr umfangreich zu sein, um einen Effekt auf die Lachspopulation zu haben. Das Rückkehrprojekt bleibt deshalb vorläufig hängen: Laut Erwin Winter schwimmen jährlich ein paar Tausend erwachsene Tiere durch die niederländischen Flüsse. Von den Junglachsen schwimmt eine unbekannte Anzahl entlang die Küste in nördlicher Richtung. Diese Mengen werden sofort abnehmen, wenn der jährliche Besatz mit jungen Lachsen aufhört.
Erwin Winter: Das Problem ist: wenn man unerwünschten Beifängen vorbeugen will, sollte man eigentlich etwas gegen die intensive Fischerei unternehmen. Wir wissen, dass die an bestimmten Stellen viel zu groß ist. Das Ysselmeer zum Beispiel ist schwer überbefischt, da steht ein Wald von Reusen.
Im Haringvliet stehen auch viele Reusen. Zuviel? Das würde ich nicht sagen. Es hängt ab von der Art worauf gefischt wird und auch von der Zeit.
Von so einem spitzfindigem Urteil will Ko Hoevenaar aus Lage Zwaluwe nichts wissen. Er ist 1934 geboren und angelt schon seit dem zwölften Lebensjahr im Hollands Diep und im Biesboschgebiet. Auf einem Boot von einem befreundeten Sportfischer möchte er mir zeigen, wie das holländische Flussdelta sich allmählich verändert - in eine grosse Fischreuse. In der Ferne rast das Verkehr hoch über die Moerdykbrücke; hier auf dem Wasser scheint alles so still und friedlich zu sein.Aber pass auf!, sagt Ko. Da ist die erste Reuse und zwanzig Meter weiter schon die nächste. Und dann wieder eine, und danach wieder eine. Es hört nicht auf. Jede Reuse erstreckt sich unsichtbar über hundert Meter ins Wasser. Rinnen und Seitenarme werden machmal ganz abgesperrt. Im Juni werden die ersten Reusen gesetzt und jede Woche kommen neue dazu. Ende August steht es hier ganz voll mit Reusen. Ko Hoevenaar fantasiert manchmal, wie man erschrecken würde, wenn das Delta an einem Tag ganz trockengelegt wäre und jedermann das Labyrinth von Reusen mit eigenen Augen sehen könnte. Würde man es dann auch noch normal finden? Ich denke nicht!
Auch Biologen bestreiten das nicht. Vergleiche es mal mit einem Naturgebiet, wie die Hohe Veluwe, sagt Meerbiologe Inez Flameling, der in der Oosterschelde eine Tauchschule leitet. Wir würden das nicht akzeptieren, dass jedermann da Schlingen und Fallen setzen dürfte. In der Oosterschelde darf man für fünfzig Euro zwei Reusen setzen und niemand kümmert sich darum. In dieser Oosterschelde ist auch die Fischerei mit Schleppnetzen erlaubt, die die Entwicklung des Lebens am Gewässerboden ernsthaft stört und so die Kinderstubenfunktion dieses Gebiets für die Nordsee schädigt.
Bis vor fünf Jahren war es mit dem Fischereidruck im 'Hollands Diep' noch nicht so schlimm, sagt Ko Hoevenaar. Damals gab es einen kleinen Berufsfischer in diesem Gebiet, der sich auf dreissig Reusen beschränkte. Die Fischerfamilie, die jetzt hier ihr Brot verdient, hat die Gewässerlandschaft aber in ein Meer von Netzen verwandelt, was übrigens erlaubt ist, weil es darauf keine Beschränkungen gibt. Wie lange soll das noch dauern? Das Gewässer ist nahrungsreich mit immer neuer Zufuhr an Fischen vom stromaufwärtigen Gebiet. Das verzerrt den Fischereidruck, sagt er schwermütig. Aber mit dem Aal wird es schnell zu Ende gehen und für den Lachs ist es auch schon zu spät. Mit der Angelrute hatte er hier im kleinen Hafen von Lage Zwaluwe vor 25 Jahren noch Meerforellen gefangen. Das ist jetzt definitiv vorbei. Heute ist der Zander der Hauptfang für diesen Sportfischer. So lange es noch möglich ist, wird Ko Hoevenaar sie fangen. Ich esse fast jede Woche Zander.
De Volkskrant
Amsterdam, 20 Juli 2005
Der Atlantische Lachs e.V. Stauseebogen 23 45259 Essen Tel. 07 00 / 33 75 22 47