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Fisch-Streit zwischen Höhn und Steinbrück
Düsseldorf - Wenn in dieser Woche die rot-grüne NRW-Koalition doch noch zerbrechen sollte, dann könnte auch der Lachs daran Schuld haben. Fest steht, wenn Ministerpräsident Steinbrück Begriffe wie Wanderfischprogramm und Lachsaufstieg hört, dann schwillt ihm der Kamm. Und sein Zorn richtet sich gegen die grüne Umweltministerin Bärbel Höhn.
Mitte Mai wagten es Wasserwerksbetreiber an der Oberen Ruhr, gegen Höhn auf die Barrikaden zu gehen. Grund war ein Bescheid der Oberen Wasserbehörde bei der Bezirksregierung Arnsberg, die dem Umweltministerium untersteht. Im Zuge des so genannten Wanderfischprogramms NRW wurden die Betreiber aufgefordert, bis Ende des Jahres ihre Wehre für Fische durchgängig zu machen - teils für mehrere 100 000 Euro. Doch auch der Steuerzahler bliebe nicht unberührt. Und genau das macht Steinbrück wütend. In einem Hintergrundgespräch forderte er Höhn kürzlich auf, mitzuteilen, wie viel es den Steuerzahler koste, wenn sie die Flüsse für Fische wieder durchlässig machen wolle.
Im Blickpunkt des von ihr nach vorne getriebenen und mit Landesmitteln unterstützten Wanderfischprogramms steht der Lachs. Zwischenzeitig wurde es sogar in Lachs 2000 umgetauft. Im Oktober vergangenen Jahres teilte Höhn mit: Mit dem Wanderfischprogramm wollen wir auch dieser Tierart Möglichkeiten zum Überleben und zur Vermehrung geben. Im März freute sich der vom Land geförderte Verein Lachszentrum Hasper Talsperre. Er durfte einen weiteren Förderbescheid des Landes von 190 000 Euro entgegennehmen, zur Erweiterung der Aufzuchtanlage von mehreren zehntausend Junglachsen. Ebenfalls im März half Dietmar Firzlaff, ein Mitarbeiter des Wanderfischprogramms des Umweltministeriums, beim Aussetzen von Lachsen in die Hönne, einem Nebenfluss der Ruhr. Für Bärbel Höhn stand die Rückkehr des Lachses in Nordrhein-Westfalens Flüsse folglich immer an oberster Stelle. Bis zum Beginn der Koalitionskrise.
Weil sich Höhn offenbar nicht auch noch wegen des Lachses mit Steinbrück streiten wollte, vollführte sie eine 180-Grad-Drehung. In einem Schreiben wies Höhn plötzlich darauf hin, dass an der Ruhr nicht beabsichtigt ist, Langdistanzwanderfische wie den Lachs anzusiedeln. Das überrascht. Warum dann ein Förderbescheid für das Aufzuchtzentrum, warum ein Aussetzen von Lachsen in Flüssen und warum ein aggressiver Kampf gegen Wasserwerksbetreiber?
Dass die Ministerin auch noch der ihr untergebenen Wasserbehörde in Arnsberg die Schuld gibt, eigenmächtig gegen die Betreiber vorgegangen zu sein, lässt nur zweierlei Interpretationen zu: Entweder hat Bärbel Höhn die ihr unterstellten Behörden nicht im Griff oder aber sie sagt nicht die Wahrheit. Dass Höhn die Bescheide inzwischen gestoppt hat, beruhigt die Wasserwerksbetreiber keineswegs. Sie glauben nur an einen Aufschub.
Steinbrück hält sich unterdessen noch zurück. Nach Informationen der WELT am SONNTAG will er aber bei einem Platzen der Koalition auch über Bärbel Höhn und die Lachse sprechen.
Von Wolfgang Pott
Welt am Sonntag, 29. Jun 2003
Der Atlantische Lachs e.V. Stauseebogen 23 45259 Essen Tel. 07 00 / 33 75 22 47