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Lachse schwimmen vom Gymnasium in die Nordsee

Fische Indikator für gesundes Wasser

Noch schwimmen die kleinen Fische in einer grünen Transportkiste und sind wohl ein bisschen aufgeregt. Gleich wollen ihnen Langenberger Gymnasiasten ein neues Leben in der Freiheit schenken und sie im Deilbach aussetzen. Es ist bereits das zweite Mal, dass die Schüler sich mit atlantischen Lachsen beschäftigen.

Für eine Stunde hat Katharina Ott ihre Turnschuhe gegen große, grüne Gummistiefel getauscht, die ihr bis zum Knie reichen. Gemeinsam mit dem Stadtförster Peter Tunecke, seinem Mitarbeiter Sebastian Reckzeh und einigen anderen Mitschülern steigt die Tiernärrin in den Deilbach. Die flossigen Hauptakteure, die an diesem Morgen im Mittelpunkt stehen, zappeln indes in den Zehn-Liter-Eimer, die die Helfer in den Händen halten.

"Pass auf, dass du nicht zu viele Lachse an einer Stelle verteilst", gibt Experte Tunecke seinen Mitstreitern einige Tipps und begutachtet ihre Arbeit. Lange bevor die Aktion startete, war der Förster aktiv gewesen, hatte 4000 Exemplare aus der Fischzuchtanlage "Hasper Talsperre" in Hagen abgeholt. Rund 400 wurden dann hinter dem Gymnasium wieder zu Wasser gelassen, ihre Geschwister schwimmen nun fröhlich hinter dem Schloss Hardenberg in Neviges oder im Felderbach.

Während Katharina Ott nach und nach die Lachse aussetzt, stehen die anderen Schüler am Gewässerrand und schauen genau zu. Im Unterricht hatte Biolehrer Ralf Wilke mit ihnen schon einmal das „Ökosystem Deilbach“ besprochen und sie so auf das Lachsprojekt, das in das Wanderfischprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen eingebettet ist, vorbereitet.

Es gehe nicht darum einen weiteren attraktiven Fisch für Angler anzusiedeln. Vielmehr sei der Lachs ein Indikator für gesundes und frisches Wasser und kommt in der Regel nur dort vor, "wo die Welt noch in Ordnung ist."

So sei davon auszugehen, dass vor hundert Jahren bereits Urahnen der jetzt ausgesetzten Lachse in dem Langenberger Gewässer gelebt hätten.

Mit einem Lächeln und fast ein bisschen stolz betont Wilke, der sogar Mitglied im Verein "Der Atlantische Lachs e.V." geworden ist: "Wir sind wahrscheinlich die einzige Schule in Nordrhein-Westfalen, über deren Schulhof Lachse schwimmen."

Die Tiere werden noch ein Jahr an ihrem neuen Zuhause verweilen bis sie sich auf eine lange Reise zum Nordatlantik nach Grönland machen. Dann schwimmen sie den Deilbach hinunter zum Baldeneysee, versuchen durch die Schleuse in die Ruhr zu gelangen, nehmen dann die Wasserstraße über den Rhein, kreuzen die Nordsee und kommen nach rund dreimonatiger Wanderung am Ziel an.

Einmal im Atlantik vertilgen sie dort Heringe und kleine Tintenfische und kommen nach einem oder zwei Jahren ausgewachsen zum Gymnasium Langenberg zurück. Schließlich erinnern sich die Lachse gut, an welchem Ort sie aufgewachsen sind. "Es geht uns darum, den Lachs als Indikator zu nutzen und so zu kontrollieren, ob das Biotop Deilbach noch in Ordnung ist - es wird hingegen noch Jahre dauern bis hier ein eigener Bestand vorhanden ist", sagt Wilke. So wird es denn noch viele Jugendliche geben, die mit Gummistiefeln in den Deilbach klettern, um an Ort und Stelle den Lachsen eine neue Heimat zu schenken. Und die Schüler, die haben in der Zwischenzeit gelernt, dass der Lachs zu einer Fischsorte gehört, die es nicht nur paniert und tiefgefroren in der Kühltruhe zu kaufen gibt. F.P.

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