Sie sind hier: Pressearchiv > Presse 2003 > Regierungspräsidium Darmstadt, Juli 2003
Lachsrückkehrer aus dem Meer laichten erfolgreich in der hessischen Wisper ab
Lorch/Darmstadt (rp) - Erstmals haben sich Lachsrückkehrer aus dem Meer in der Wisper fortgepflanzt.
Dies ergab jetzt eine im Auftrag des Regierungspräsidiums Darmstadt durchgeführte Elektro-Kontrollbefischung in Lorch am Rhein.
Rückkehrer aus dem Meer
Wir erinnern uns: Im vergangenen Herbst waren die seit vielen Jahrzehnten ersten laichreifen Rückkehrer aus dem Meer in der Wisper gefangen worden. Simone und Gerd, wie die Lachswissenschaftler die beiden ersten Elterntiere liebevoll nannten, waren stattliche Lachse von 64 und 73 cm. Auch Umweltminister Wilhelm Dietzel hatte sich seinerzeit persönlich vor Ort über das Projekt informiert. In der Folge galt es nun der spannenden Frage nachzugehen, ob diese Lachse zur Eiablage kamen und ob sich hieraus Junglachse in der Wisper entwickelt haben, so Projektleiter Dr. Christian Köhler von der Oberen Fischereibehörde des Regierungspräsidiums Darmstadt.
Und tatsächlich, knapp 5 cm kleine, wohlgenährte Lachsbrütlinge sind das wundersame Ergebnis eines 3-4 Jahre währenden Entwicklungszyklus der sogenannten Wisperlachse. Insgesamt konnten bisher knapp 40 Lachsbrütlinge an 4 Laichplätzen in der Wisper ausfindig gemacht werden. Darunter auch eine erst im vergangenen Jahr errichtete Sohlgleite am Wehr der früheren Walzenmühle in Lorch am Rhein. Ein solches Ergebnis nach so kurzer Projektdauer hätten wir kaum erwartet, freut sich der eigens für die Wiederansiedlung der Lachse verpflichtete Experte Dr. Jörg Schneider vom Büro für fischökologische Studien aus Frankfurt.
Wenn man bedenkt, dass die Elterntiere vom Nordatlantik den Rhein hinauf bis in die Wisper schwimmen, um abzulaichen, und dass sich hieraus bereits die nächste Generation entwickelt, so ist dies fabelhaft, so Diplom-Biologe Dr. Schneider weiter. Damit hat sich erstmals in Hessen der Lebenszyklus des Lachses geschlossen: Aufwuchs der Jungfische, Abwanderung, Rückkehr und erfolgreiche Vermehrung. Eine weitere Befischung wird Aufschluss darüber geben, ob es noch weitere Laichplätze in der Wisper gibt.
Das Wiederansiedlungsprojekt der Lachse in die Wisper wurde im Jahre 1998 als Beitrag zum internationalen Programm LACHS 2000 ins Leben gerufen. Nach sorgfältiger Prüfung über die Eignung des Gewässers für ein solches Vorhaben, wurden seitdem jährlich ca. 40 000 schwedische oder dänische Junglachse, Parrs genannt, ausgesetzt. Mit einer Größe von etwa 12-20 cm verlassen die dann als Smolts bezeichneten Lachse nach 1-2 Jahren Süßwasserphase das Gewässersystem der Wisper, um den Rhein flussabwärts bis in den Nordatlantik zu wandern. Nach 1 bis 4 jähriger Aufwuchsphase wandern die geschlechtsreifen Lachse schließlich wieder in ihr Heimatgewässer, die Wisper, zurück, um sich fortzupflanzen.
Mit dem nunmehr in Hessen erstmals seit über 50 Jahren festgestellten Nachweis der natürlichen Fortpflanzung wurde der letzte Abschnitt des Projektes erreicht, kommentiert Projektleiter Dr. Köhler. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob sich diese Naturvermehrung der Lachse dauerhaft einstellen wird, so dass sich hieraus eine stabile Lachspopulation in der Wisper aufbauen wird, so der Fischereibiologe weiter. Doch ganz ohne Hilfe von außen wird dies nicht geschehen. In den nächsten Jahren werden weiterhin bestandsstützende Maßnahmen in Form von Lachsbesatz notwendig sein. So werden für den diesjährigen Lachsbesatz im Juli die ersten Vorbereitungen getroffen. Der Besatztermin ist in diesem Jahr sehr spät gewählt worden, da zunächst die Untersuchungen hinsichtlich der Naturvermehrung stattfinden mussten, erklärt Lachsexperte Dr. Schneider.
Auch in diesem Jahr werden wieder 40 000 Junglachse schwedischer Herkunft mit einer Größe von 4-5 cm in die Wisper ausgesetzt. Erst wenn die Wissenschaftler Gewissheit über die Stabilität der Lachspopulation haben, werden die Besatzaktivitäten reduziert und die Betreung des Projektes in die Hände der Fischereipächter gegeben werden. Willibert Mohr, Pächter an der Wisper, ist natürlich stolz auf sein Gewässer. Aktiv bei nahezu jeder Elektroabfischung dabei, wünscht er sich nichts sehnlicher, als dass es keine Zunkunftsvision mehr sein wird, in der Wisper Lachse springen zu sehen .
Schwedischer Junglachs, 4-5 cm groß.
Doch trotz seiner Wiederkehr in der Wisper ist der Lachs nach wie vor eine ganzjährig geschützte Fischart, die nicht beangelt werden darf, erinnert das Regierungspräsidium Darmstadt. Die Stadt Lorch am Rhein kann sich derweil ob ihrer neuen Attraktion freuen und versichert die vollste Unterstützung zu diesem Projekt, so Lorchs Bürgermeister Günter Retzmann. Als Träger der Umgestaltungsmaßnahmen an den bestehenden Wehren in der Wisper garantiert die Stadt Lorch in Kooperation mit Naturschutz- und Umweltbehörden, dass die Lachsrückkehrer zu ihren Laichplätzen flußaufwärts gelangen, erläutert der Rathauschef. Derzeit überlegt die Kommune, das Projekt in die Umsetzung der Agenda 21 in Hessen einzubringen. Somit ist mit den Lachsen in der Wisper das UNESCO Weltkulturerbe Oberes Rheintal für Besucher noch interessanter geworden.
Pressemitteilung vom 01.07.2003 , Regierungspräsidium Darmstadt
Der Atlantische Lachs e.V. Stauseebogen 23 45259 Essen Tel. 07 00 / 33 75 22 47