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Iserlohn. Der 36-jährige Olaf Niepagenkemper steht bis über die Knie im acht Grad kalten Wasser und stochert in der Lenne herum. Könnte man meinen. Tatsächlich misst der wissenschaftliche Mitarbeiter des Fachbereichs Limnologie (Gewässerkunde) der Universität Münster mit einer patentierten Sonde, wie viel Sauerstoff sich zwischen den Kieseln und Sandkörnern befindet.
Zu wenig, sagt er. Wenn irgendwo im Flussnetz der Ruhr Lachs-Eier oder Baby-Lachse ausgesetzt werden sollen, wird die Lenne nicht dazu gehören. Wer Eier ausbringen will - rein in die Sterbecke, rät Niepagenkemper vielmehr.
Der kleine Zufluss der Volme im Sauerland ist für Lachse ideal. In seinem Bett liegen lauter Kiesel, die Temperaturen sind niedrig und - das ist das Ergebnis der Untersuchung - der Sauerstoff häufig. Die Sterbecke hat unbezahlbare Standortvorteile: Sie schlängelt sich durch ein kleines Tal, kaum berührt von landwirtschaftlichen und industriellen Einflüssen.
Der Lachs ist immer noch Symbol für intakte Gewässer. Durch seine langen Wanderungen vom Atlantik bis in die heimischen Flüsse steht er für Gesundheit und Durchhaltevermögen. Doch zugebaute Flüsse haben ihn so gut wie vertrieben. Das war nicht immer so. In alten Zeiten war der Lachs so häufig, dass sich das Gesinde garantieren ließ, ihn nicht öfter als zwei Mal in der Woche essen zu müssen. Inzwischen leben auch in Nordrhein-Westfalen wieder Lachse. In der Sieg etwa sind vor ein paar Jahren Eier ausgesetzt worden. Mittlerweile leben dort etwa 350 Tiere - und es werden mehr.
Lachse brauchen etwa vier bis sechs Milligramm Luft im Flussbett. Dort legen sie ihre Eier ab, dort wird der Nachwuchs groß, bevor er sich in die Fluten wirft. Doch die natürlichen Hochwasser sind nicht mehr so häufig und nicht mehr so kräftig wie früher. Die Folge: Das Sediment am Grund wird schlechter durchgespült. Schlamm bleibt zwischen den Kieselsteinen hängen. Der Sauerstoff-Gehalt sinkt.
Niepagenkemper soll gemeinsam mit Professorin Elisabeth Meyer und einer Projektgruppe im Auftrag des Ruhrverbandes herausfinden, in welchen Flüssen die Voraussetzungen überhaupt ausreichen, dass es sich lohnt, Lachse auszusetzen. Hintergrund: Die EU verlangt in einer Richtlinie, dass in den nächsten 20 Jahren die Hindernisse für Fische aus den Flüssen Europas verschwinden. Zum Beispiel Turbinen von Wasserkraftwerken, die Lachse oder auch Aale regelrecht zerhacken, wenn sie in Richtung Atlantik wandern. Daran ändern auch einzelne Fischtreppen, womöglich noch hinter diversen Wehren gelegen, nur wenig.Mit 190 Grad kaltem Flüssigstickstoff nehmen die Wissenschaftler der Uni Münster eine Probe aus dem Kiesbett der Lenne. Sie wollen herausfinden, wo die besten Lebensbedingungen für Lachse herrschen.
Von Stefan Werding
Der Atlantische Lachs e.V. Stauseebogen 23 45259 Essen Tel. 07 00 / 33 75 22 47