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Doch ohne Fischtreppen aussichtslos - Wehre stehen im Weg

Von Felicitas Kapteina
Die Tierlegende Moby Dick ist ein Nichts gegen das Lachsweibchen, das vor 4 Wochen in der Nähe des Mühlheimer Wasserbahnhofs gefangen wurde. Über die Lachse in der Ruhr gibt es überhaupt seit 100 Jahren Geschichten, die sich anhören wie Anglerlatein. War dies denn wirklich ein Lachs, wo doch diese Fischart hierzulande als ausgestorben galt, seit das Ruhrgebiet industrialisiert wurde? "Ich habe ihn selber in der Hand gehabt”, schwört Stefan Jäger, Geschäftsführer der Ruhrfischereigenossenschaft in Heisingen. Im Rahmen einer amtlichen Testbefischung sie ihnen der Lachs ins Netz gegangen. Er maß 72 cm und wog 3400 g. Am 22. November 1985 hatten Ruhrfischer versehentlich eine Meerforelle für einen Lachs gehalten und in die Welt posaunt. "Der erste Lachs seit 1890“ .Zur Ehrenrettung der Angler meinte Detlef Albrecht vom Ruhrverband: "Auf den ersten Blick kann man Lachs und Meerforelle schonmal verwechseln”.
Das jetzige Lachsweibchen sie "wahrscheinlich bei einer Schleusung mit hochtransportiert worden”. Schleusen sind oft ein unüberwindliches Hindernis auf dem Weg der Lachse zu ihren Heimatgewässern, wo sie laichen. Fischtreppen sollen es den Lachsen erleichtern. Doch diese Anlagen sind teuer. Der Ruhrverband, das Staatliche Umweltamt Duisburg und der Fischereiverband NRW bemühen sich mit einem Wanderfisch-Programm um neue Treppen. Eine ist für nächstes Jahr in Kettwig geplant, und eine soll am Wehr in Werden entstehen. Doch die ist problematisch, denn am Baldenysee besteht ein Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterwasser von neun Meter. Immerhin sind die Hoffnungen aller Fischexperten so groß, dass sie jetzt zusammen mit dem Essener Fischereiverein, mehr als 15 000 kleine Lachse, "Parr“ genannt und etwa sechs Zentimeter groß, in die Fließgewässer Felderbach, Hardenberger Bach und Deilbach eingaben.
Im nächsten Jahr, so ist geplant, sollen es sogar 80 000 sein. Peter Korb vom Vorstand: "Diese Junglachse bleiben etwa zwei Jahre hier, danach sind sie etwa 15 Zentimeter groß. Sie schwimmen über die dann hoffentlich fertigen Fischtreppen ins Meer, wo sie bis zu drei Jahren bleiben. 70 cm bis 100 cm sind die Überlebenden groß und kehren in ihre Heimatgewässer zurück”. Das müsse dann der Deilbach sein. Vor 100 Jahren, so wurde beim Ruhrverband aufgezeichnet , "fing allein ein ein einziger Fischereipächter bis zu 100 Pfund Lachs aus der Ruhr”.
Eine Chronik von 1881 berichtet von Knechten und Mägden, die vor Aufnahme ihres Dienstes bei ihrer künftigen Herrschaft zur Bedingung machten, nicht öfter als dreimal die Woche Lachs essen zu müssen.
WAZ, 29. Juli 2002
Der Atlantische Lachs e.V. Stauseebogen 23 45259 Essen Tel. 07 00 / 33 75 22 47