Sie sind hier: Pressearchiv > Presse 2002 > WAZ, August 2002
Heimische Gewässer machen`s möglich - Oberforstrat Peter Tunecke: Projekt braucht noch viel Zeit
Bild links oben: Nicht alles im Eimer, im positiven Sinne, denn es handelt sich bei dem Inhalt um junge Lachse kurz vor dem Aussetzen
Bild rechts: Um Überleben zu können benötigen junge Lachse eine Wassertiefe zwischen sechs und 65 cm, wie im Hardenberger Bach
Bild links: Die ersten Junglachse im Stadtgebiet Velbert wurden von Oberforstrat Peter Tunecke im Hardenberger Bach eingesetzt
Denkt man an Lachs, denkt man an Essen. Meldet das Auge beim Blick auf die Speisekarte dem Gehirn das Wort "Wildlachs“, wächst der Wunsch nach unberührter Natur und der Magen knurrt erst richtig. Wer hätte gedacht, dass viele Flüsse und Bäche wieder "Wildlachs”-tauglich sein könnten? Und erst recht, dass Velberts Gewässer so gut sind, dass sie für die gesamte Ruhr noch einmal Pilotfunktion haben könnten? Seit 2 Wochen schwimmen dort 10 000 junge Lachse.
Velberts Stadtförster Peter Tunecke verkündete die gute Botschaft. Mitte Juni wurden die jungen, etwa drei bis vier Zentimeter großen Lachse im Felder-, Hardenberg-, und Deilbach eingesetzt. Und zwar ganz professionell mit Unterstützung des Fischereiverbandes Essen, der Technischen Betriebe Velbert und den Gewässerpächtern.
Was wie ein erster Schritt klingt, ist die Umsetzung einer langen theoretischen Vorlaufphase in die Praxis. Dieses Velberter Beispiel wird nun mit Argusaugen verfolgt, denn auch in den Flüssen Volme und Lenne sollen demnächst Lachse ausgesetzt werden. In diesem Zusammenhang verständlich, dass die Stadt Velbert jetzt eine Fischerei-Genossenschaft gründet. Hier ist Tunecke alles andere als unbeteiligt.
Der ökologisch engagierte Stadtförster nahm an einem "Gewässerwartlehrgang” teil und bekam nicht nur Einblick in die Materie, sondern knüpfte auch Kontakte zu Behörden und Organisation. Etwa zum Verein "Der Atlantische Lachs e.V.", der bei allem was mit Umwelt, Fischen und Gewässern zu tun hat, die Finger im Spiel hat. So etwa auch bei der Arbeitsgruppe zum Wanderfischprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen, die sich seit 15 Jahren um die Wiedereinbürgerung des Lachses ins Rheinsystem bemüht. Tunecke erklärt: "Der Rheinlachs ist inzwischen ausgestorben. Jetzt soll der Wildlachs angesiedelt werden.” Ursache für das Aussterben war die Verschmutzung der hiesigen Gewässer. Da aber Umweltministerium, Wirtschaft und Naturschutz-Organisationen alle Register gezogen haben, die Verschmutzung zu stoppen, konnten sich die Gewässer regenerieren. Bevor aber nun letztlich die Lachse zu Wasser gelassen wurden, musste eine Kartierung - finanziert vom Landesverband Westfalen-Lippe e.V. - erstellt werden, die Aufschluss über ihre Lebensraummöglichkeiten gibt. Tunecke: "Junge Lachse brauchen turbulente, flache Gewässer, in denen Futter wie Mücken, Bachflohkrebse, und andere Mikroorganismen zu finden sind".
”All das haben der Hardenberg-, Felder-, und Deilbach zu bieten. Die dort ausgesetzten Fische stammen aus dem Lachszentrum an der Hasper Talsperre in Hagen, wo regelrecht Stämme ausgebrütet - allerdings nicht gezüchtet werden. Die Kosten für Velberts Fische in Höhe von 3000,- € hat der Lachsverein übernommen. Laut Tunecke dürfen sich die Tiere jetzt erst einmal in den Bächen tummeln und werden dann im Herbst - per Elektromessung - auf ihre Größe und Qualität hin überprüft. Im nächsten Jahr begeben sich die Fische, wenn alles nach Plan läuft, dann auf die große Reise Richtung Nordsee, wo sie sich, so Tunecke, "dann dick und rund fressen”. Danach treten sie den langen Rückweg in hiesige Gewässer an. Dank erheblicher Bemühungen der Staatlichen Umweltämter, des Ruhrverbandes, der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung und der Wasserverbände wurden und werden die für die Fische unüberwindbaren Wehranlagen mit Fischwegen versehen, so dass für sie die Rückkehr in heimische Gewässer überhaupt möglich ist.
"Kein Projekt von wenigen Monaten, sondern von einigen Jahren” setzt der Stadtförster auf Geduld. Und mahnt: "Es wird noch dauern, bis die Hobbyfischer wieder zur Angelrute greifen dürfen”.
WAZ, 3. August 2002.
Der Atlantische Lachs e.V. Stauseebogen 23 45259 Essen Tel. 07 00 / 33 75 22 47