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Der König der Fische

Durch Ansiedlungsprogramme kehrt der Weserlachs zurück

Fischzüchter Dworak mit einen männlichen Lachs

Fischzüchter Dworak mit einen männlichen Lachs (Foto: dpa)

Kassel. Er fehlt auf kaum einer Speisekarte in den Fischlokalen: der Atlantische Lachs, wissenschaftlich "Salmo Salar“.

In deutschen Flüssen galt der König der Fische lange als ausgerottet. Angler, Wasserverschmutzung und der Bau immer neuer Staustufen hatten dem empfindlichen Wanderfisch den Garaus gemacht. Doch seit einigen Jahren ist der Lachs wieder da. Wiederansiedelungsprogramme haben die ersten Exemplare in Rhein und Elbe zurückgebracht. Nun sollen Lachse auch in der Weser wieder heimisch werden. Der Weserlachs war um 1930 ausgestorben.

Im südniedersächsischen Hannoversch Müden (Kreis Göttingen) entsteht die Weser aus dem Zusammenfluss von Werra und Fulda – alles im 19. Jahrhundert noch ausgesprochen fischreiche Gewässer. Doch mit der Industrialisierung verödeten sie. Abwässer aus der Kalisalz-Aufbereitung flossen jahrzehntelang ungereinigt in die Werra und ließen den Salzgehalt auch in der Weser gefährlich ansteigen. Im Zuge von Flussbegradigung gebaute Wehre hinderten die aus der Nordsee zurückkehrenden Lachse daran, bis zu ihren angestammten Laichplätzen in den Nebenflüssen aufzusteigen. Zum Laich ziehen die Fische aus dem Meer die Flüsse hinauf. Im sauberen Süßwasser wachsen die Jungfische heran. Nach etwa zwei Jahren verlassen sie die Kinderstube und schwimmen ins Meer, von wo sie als ausgewachsene Tiere zum Laich zurückkehren.

"Selbstmord"

Der Wandertrieb der Lachse ist so groß, dass er sie fast Selbstmord begehen lässt, erklärt Dietrich Borchardt vom Institut für Gewässerforschung und Gewässerschutz an der Universität Kassel. Sein Institut kümmert sich gemeinsam mit dem Land und dem regionalen Fischereiverband um die Wiederansiedelung des Salmo salar in der Diemel, einem gut 100 Kilometer langen Weserzufluss an der Grenze zwischen Hessen und NRW. Renaturierungsmaßnahmen und die in den vergangenen Jahren deutlich verbesserte Wasserqualität im Einzugsbereich der Weser haben das Projekt möglich gemacht.

Dennoch müssen Borchardt und seine Mitstreiter bei Null anfangen. Um geeignete Jungtiere zum Aussetzen heranzuzüchten, werden im Fischzuchtbetrieb von Karl-Heinz Dworak in Mülmersen (Kreis Kassel) künstlich befruchtete Lachseier ausgebrütet. Der Lachskaviar dafür kommt aus Irland, wie der Fischzüchter erläutert: Im irischen Wildlachs ist der Weserlachs genetisch noch vorhanden, denn die dortigen Bestände wurden vor hundert Jahren mit importierten Weserlachsen vergrößert. Rund 60 000 junge Lachse pro Jahr sind seit 1998 auf diese Weise in der Diemel ausgesetzt worden. Sie sollen eines Tages eine natürliche Population des Salmo salar im nördlichsten hessischen Fluss begründen. Doch bevor sie selbst für Nachwuchs sorgen, gehen sie auf ihre mehrjährige Wanderung bis ins Meer und wieder zurück.

"Staustufen"

Bis dahin ist noch einiges zu tun: Über 50 Wehre und Staustufen unterbrechen den Lauf der Diemel, neun davon sind derzeit selbst für die springfreudigsten der Wanderfische noch unüberwindliche Barrieren. Am gefährlichsten aber sind die eigentlich kleinen Wasserkraftwerke: In den Turbinchen werden Lachse zu Sushi geschreddert, klagen Angler. Nach einem Gerichtsurteil dürfen sie deshalb sogar vom blutigen Strom sprechen.

Die Entschärfung dieser Hindernisse, der Bau von Fischpässen und Aufstiegshilfen kann nach Darstellung des hessischen Umweltministeriums in Einzelfällen bis zu siebenstellige Summen verschlingen. Die 40 000,-€, die das Land jährlich für den Besatz der Diemel mit jungen Lachsen ausgibt, schlagen dem gegenüber kaum zu Buche. Für Gewässerforscher Borchardt steht trotzdem außer Frage, dass der Aufwand gerechtfertigt ist: "Der Salmo salar ist eine Fischart, die hier hingehört." dpa

Ruhrnachrichten, 02.04.2002

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