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Die Fischschleuse an der Wasserkraftanlage in Mühlheim. Am Baldeneysee ist eine vergleichbare Treppe geplant.

Fischtreppe an der Wasserkraftanlage in Mühlheim

Bild:far/A.Umbach

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Werden Fischtreppen dem König der Fische das Leben retten?

Lachse könnten in der Ruhr wieder heimisch werden
Fischtreppe am Baldeneysee geplant

"Der Lachs ist unser Zugpferd”. Wenn Stefan Jäger von dem Edelfisch spricht, gehen mit ihm die Pferde durch. Der Geschäftsführer der Ruhrfischereigenossenschaft unterstützt die Wiedereinbürgerung. Jäger, Gründungsmitglied im Essener Verein "Der Atlantische Lachs e.V.”, kennt den Traum jedes Anglers: "Zu wissen, dass in meinem Gewässer der König der Fische beheimatet ist”. Und siehe da: Der Schuppen-Star wurde jüngst in der Ruhr gesichtet. Am Haken. Ein 3400 Gramm schweres, 72 Zentimeter langes Exemplar haben Angler in Mühlheim aus der Ruhr gezogen. Als sensationell stufen Fachleute der Ruhrfischereigenossenschaft diesen Fang ein.

Denn ein Lachs hatte in diesem Fluss zuletzt im Jahre 1942 nach einem Köder geschnappt - so die Statistik. "Das war ein Ausbrecher, die Lachse sind hier längst nicht mehr heimisch”, bewertet der Kettwiger Erwin Merten das aktuelle Ereignis. Trotzdem sei der Fang ein Signal: "Die Ruhr ist sauber.” Der Pensionär selbst schon als "Rotziger die Fische in der Ruhr mit der Hand gefangen”. Der Ruhrfischereigenossenschaft geht es aber nicht um die Glückseligkeit von Hobby-Fischern. "Wir wollen weg von den Utopien der Angler, hin zu einer EU-Richtlinie”, sagt Jäger. Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 besagt: Ein ökologisch gutes Gewässer muss für die Fische durchlässig sein. Die Ruhr ist es nicht. Noch nicht. Schleusen und Wehre versperren den Weg. Flussstauseen wie der Baldeneysee und der Stausee in Kettwig bedeuten zudem Brüche im Flusssystem der Ruhr. Auch in der Turbine am Baldeneysee finden viele Schuppentiere ein jähes Ende.

"Die Fische verletzen sich und verenden”, erklärt Stefan Jäger. Das Zauberwort heißt Wanderfischprogramm Nordrhein Westfalen. Hinter dem Begriff steckt ein Projekt des NRW-Umweltminsteriums, an dem auch das Staatliche Umweltamt Duisburg beteiligt ist. Bernhard Lemke, Sprecher dieses Amtes, kann sich "gut vorstellen, dass eines Tages wieder Lachse in der Ruhr leben”. Mehrere Fischaufstiege sollen die Hindernisse in der Ruhr überwindbar machen. Diese Anlagen ermöglichen Fischen eine Wanderung über Stauanlagen, in der Regel von unten nach oben. Von den 13 Stauanlagen der Ruhr sind heute schon neun mit Fischaufstiegen ausgerüstet. In Mühlheim gibt es gleich zwei: Die Fischschleuse an der Wasserkraftanlage und der Fischpass am Wehr.

Geplant sind Fischtreppen unter anderem in Kettwig, am Baldeneysee, an der Schiff-Rampe Kemnade. Das Prinzip einer Fischtreppe gleicht dem eines Fahrstuhls. Der Höhenunterschied an einer Wehranlage wird ausgeglichen über mehrere Becken. Diese sind treppenartig aneinandergereiht. Die Fische wandern im Sog des Wassers Stufe für Stufe nach oben. Step-pool-System heißt das. "Die Fische brauchen immer eine Gegenströmung, die sie anlockt”, erklärt Bernhard Lemke. "Sonst funktioniert die Fischtreppe nicht”. Etwa 5 000 Lachse sollen demnächst die Probe aufs Exempel schwimmen. Sie wurden im Juli im Dahlbach in Velbert eingesetzt. Die Jungtiere stammen aus dem Lachszentrum an der Hasper Talsperre in Hagen, einer großen Zuchtanlage mit 200 Rundstrombecken. In ein bis zwei Jahren werden die Smolts, so heißen abwandernde Lachse, sich auf Wanderschaft begeben und Richtung Nordsee schwimmen. Flussabwärts können die Fische Hindernisse leicht überwinden, sie schwimmen einfach mit dem Strom, lassen sich an den Schleusen hinunterfallen. Im Salzwasser verbringt der Salmo salar seine Wachstumsperiode, frisst sich ein Fettpolster an. "Irgendwann bekommen sie dann einen Hormonkick und schwimmen zum Laichen zurück ins Süßwasser”, sagt Jäger. Die Rückkehr stellt die Edelfische vor Probleme, denn die Ruhr ist längst nicht durchlässig. Den Lachsen wird dann ganz unkonventionell auf die Sprünge geholfen: Mitarbeiter des Wanderfisch-Projektes fangen sie am Duisburger Wehr ab, dem ersten Hindernis der Strecke, um die Könige der Fische dann mit dem Auto zum Heimatfluss in Velbert zu chauffieren.

NRZ, 10. September 2002

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