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In fast allen Gewässern Deutschlands, in denen früher der Lachs heimisch war, laufen mittlerweile Wiederansiedlungsprojekte mit dieser Fischart, um langfristig sich selbst erhaltende und eigenständig reproduzierende Bestände zu etablieren. Möglich ist dies nicht zuletzt dadurch geworden, weil der wichtigste Parameter Wasserqualität mittlerweile fast überall erreicht ist obwohl es jedoch noch genügend andere Defizite gibt, die noch erhebliche Probleme für den dauerhaften Erfolg der Wiederansiedlungsmaßnahmen bereiten.
Als die gravierendsten Probleme sind in ganz Deutschland wohl die oft noch nicht vorhandene lineare Durchgängigkeit, mangelnde Gewässerstruktur, Stauhaltungen in Fließgewässern mit ihren äußerst negativen verschiedenen Auswirkungen auf die Biozönose, fehlendes Geschiebe in Form von Grobkies und damit verbundene fehlende Laichgründe zur eigenständigen Fortpflanzung dieser wertvollen Fischart. Auch ist die Abwanderung der Lachs-Smolts in unseren Gewässern meistens nur durch die Turbinen von Wasserkraftwerken möglich, wo die Fische zu erheblichen Prozentsätzen geschädigt oder getötet werden können und damit als potentielle Rückkehrer in ihr Geburts- oder Aufzuchtsgewässer nicht mehr zur Verfügung stehen. Eine Vielzahl von weiteren Problemen gibt es im Meer, wo ein großer Teil der adulten Lachse in den Treibnetzen der Fischfangflotten oder Netzen der Küstenfischerei für die spätere natürliche Reproduktion in den Laichgewässern verloren gebt.
Trotz der teilweise noch ungünstigen Bedingungen versucht man, in der Hoffnung auf schnelle Beseitigung der genannten ungünstigen Parameter, die Lachswiederansiedlung überall voran zu treiben, um die Fische in allen Gewässersystemen Deutschlands wieder anzusiedeln. Die bisherigen Erfolge zum Beispiel im Elbe- oder Rheinsystem lassen hoffen, dass die Bemühungen auch tatsächlich langfristig gelingen werden. Was in Deutschland noch weitgehend fehlt, ist eine bundes- bzw. europaweit koordinierte Lobby für den Lachs.
Wenn sich auch die Einzelinitiativen immer mehr bei Symposien oder sonstigen Treffen austauschen, so fehlt eine übergeordnete zentrale Organisation, die in der Lage ist, deutschland- oder europaweit die Interessen der überall gewollten Lachswiederansiedlung gegenüber den zuständigen Regierungen oder Behörden wirksam zu vertreten. Dass jede Einzelinitiative an den Gewässern versucht, das Räderwerk des Fortgangs der Wiedereinbürgerungsbemühungen und damit einhergehenden notwendigen Biotopverbeserungen selbst in Bewegung zu setzen und in Bewegung zu halten, ist vernünftig, jedoch oft ineffektiv, da zu wenig koordinierte Macht dahinter steht, von Lobbyismus für den Lachs ganz zu schweigen.
Was ebenso fehlt, ist wirksames Sponsoring zur Förderung des Lachses. Gerade der Lachs, der als Galionsfigur zur Verbesserung der ökologischen Gesamtsituation unserer fließenden Gewässer zentrale Bedeutung hat, verdient gerade deswegen auch eine finanzielle Förderung aus dem nicht fischereilichen Bereich unserer Gesellschaft. Man kann sicher davon ausgehen, dass alle Bürger unserer Republik aus verschiedensten Gründen ein erhebliches Interesse an intakten Gewässern haben, deshalb muss ihnen klar gemacht werden, dass gerade mit der Wiedereinbürgerung der wertvollsten Fischart unserer fliessenden Gewässer dieses Ziel verwirklicht werden kann.
Wenn man bedenkt, welche finanziellen Mittel für alle möglichen kleinen Projekte im Natur- und Umweltschutz von Sponsoren und Spenden aus dem privaten Bereich unterstützt werden, so müsste es auch leicht möglich sein, potentielle Geldgeber für eine der größten in Deutschland laufenden Aktion der Verbesserung der Gewässer in Verbindung mit der Lachswiederansiedlung zu finden. Hierzu bedarf es jedoch erst einmal der Aufklärung der Zusammenhänge in der Öffentlichkeit. Eine derzeit laufende Initiative in diese Richtung in Nordrhein-Westfalen in Form eines bundesweit agierenden Vereins zur Förderung des Lachses verdient daher unsere vollste Unterstützung. Informationen gibt es jetzt im Internet unter: www.lachsverein.de. Eine Mitgliedschaft möglichst vieler Lachsfreunde wäre angebracht und würde die Lobby für den Lachs schnell weiter bringen.
Andererseits gibt es in Deutschland fast zwei Millionen organisierte und nichtorganisierte Angler, die eigentlich das größte Interesse an der Lachswiederansiedlung haben müssten. Eigentlich müsste es jedem Angler von größtem Wert sein, jährlich vielleicht etwa fünf Mark (oder gar fünf Euro) locker zu machen, die in einem zentralen Fond landen, aus dem die "Lobby für den Lachs" zu organisieren wäre.
Mit 10 Millionen jährlich, allein aufgebracht aus Kreisen der Angler, könnten zum Beispiel alle notwendigen Dinge der Wiederansiedlung des Lachses - von der wirksamen (und bisher fehlenden) Interessenvertretung in der EU bis hin zur koordinierten Durchführung projektbezogener Maßnahmen in den Gewässern und vieles andere mehr finanziert und kompetent organisiert werden.
Auch die Fischereiverbände könnten und sollten hierbei eine entsprechende Rolle spielen. Die derzeitige Situation in Deutschland ist allerdings von solchen grundlegenden Gedanken noch weit entfernt. So ehrenwert die überall laufenden lokalen Initiativen zur Wiedereinbürgerung und Rettung der Wildlachsbestände auch sind, so nötig sind überregionale Koordination aller Maßnahmen und die Beschaffung und Bereitstellung finanzieller Mittel. Trotz aller Defizite der Zusammenarbeit und Organisation der Lachs Wiederansiedlungsprojekte in Deutschland, muss jedoch hervorgehoben werden, dass derzeit durch die Fülle von Einzelmaßnahmen und Initiativen an allen Gewässersystemen das größte und umfangreichste Projekt zur Gewässersanierung und Verbesserung der Ökologie und Biodiversität der fließenden Gewässer im Zusammenhang mit der Wiedereinbürgerung des Lachses läuft. Dies ist ein Verdienst der gesamten Fischerei Deutschlands zum Wohle unserer Gewässer und des Artenschutzes.
Winfried Klein
Ref. Für Öffentlichkeitsarbeit, Verband Hessischer Sportfischer e.V.
Fischwaid Heft 2 März/April 2002
Der Atlantische Lachs e.V. Stauseebogen 23 45259 Essen Tel. 07 00 / 33 75 22 47