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Fred Bloot und Franklin Moquette, Sportvisserij Nederland (NVVS)
am 14. November 2005

Notiz über Beifang von Lachsen und Meerforellen... als pdf   

Notiz über Beifang von Lachsen und Meerforellen durch niederländische Fischerei in Binnengewässern und im Meer

Einleitung

Deutschland und andere Rheinanliegerstaaten sind über Enthüllungen sehr besorgt, dass trotz eines Fangverbotes von Lachs und Meerforelle noch immer grosse Mengen dieser Arten gefangen und manchmal sogar öffentlich gehandelt werden.

Was ist los?

Lachs und Meerforelle (geschützt gemäß Fischereigesetz) sowie Schnäpel (geschützt gemäß FFH-Richtline) sind nur Beifänge für die niederländischen Berufsfischer. Diese fischen gezielt auf Aal und Zander (Binnengewässer) sowie Wolfbarsch, Meeresäschen und Plattfische (Küstengewässer und Meer). Durch den Umfang dieser Fischereien wird aber vermutlich ein beträchtlicher Anteil der Lachse, Meerforellen und Schnäpel gefangen.

Der Aufbau der Bestände von Lachs, Meerforelle und Schnäpel - durch Besatz und natürliche Reproduktion - befindet sich gerade in einem empfindlichen Stadium. Die Zahl von Lachsen, die jährlich in die niederländischen Flüsse einziehen, um in Deutschland, Frankreich und Belgien zu laichen, sind nur noch 1000 bis 2000 Individuen. Wenn davon 500 bis 1000 Lachse weggefangen werden, hätte das schon einen erheblichen Einfluss auf den Erfolg der Lachswiedereinbürgerungsprojekte an Rhein und Maas.

Es gibt einige Gründe, warum die Schutzmaßnahmen für Wanderfische (Salmoniden) aus dem Jahr 2000 keinen Effekt hatten:

Umfang der Binnenfischerei

Hauptursache der Beifänge ist der Umfang der Fischerei, der in den letzten Jahren sogar noch zugenommen hat.

Die intensive Fischerei im Flussgebiet und Ysselmeer hat zwei wichtige Effekte:

Der zweite Punkt wird noch dadurch verstärkt, dass die Anzahl von gestellten Reusen so groß ist, dass sie nur mit Zwischenräumen von einigen Tagen bis mehr als einer Woche gehoben und geleert werden können. Die Überlebenschancen für die Fische sind also minimal.

Einen Aufenthalt in Stellnetzen (Kiemennetzen) überleben die meisten Salmoniden sowieso nicht.

Folglich hat die Rücksetzpflicht bei Lachsen, Meerforellen und Schnäpel keinen Zweck, wenn diese Tieren in großen Zahlen gefangen werden und die Fische in den Fanggeräten so geschädigt werden, dass sie nach dem Rücksetzen unweigerlich verenden.

Der Umfang der Berufsfischerei (Anzahl Fischereigeräte wie Reusen und Stellnetze) auf dem Ysselmeer ist offiziell bekannt und registriert (Markierungssystem der Fischereigeräte), aber bei Kontrollen werden häufig Verstöße (Überschreitung der Anzahl erlaubter Netze) festgestellt.

Der Umfang der Ysselmeerfischerei wird planmäßig in den kommenden Jahren reduziert, wobei fraglich ist, ob diese Verringerung ausreicht. Ob diese Sanierung ausreicht, ist noch unsicher.

Der Umfang der Berufsfischerei in den Flüssen ist nicht bekannt. Bei der Verleihung von Erlaubnissen wird meistens keine zahlenmäßige Beschränkung der zu benutzenden Fischereigeräte festgelegt. Dadurch hat niemand einen Überblick über z.B. die Anzahl der Reusen, die im Rhein, Lek, IJssel, Waal, Maas und im Delta gestellt werden. Man schätzt die Anzahl von Reusen im Rhein, Lek, Yssel, Waal und Flussdelta momentan auf zwischen 1000 und 2000 Stück. Es gibt niemanden der es genau weiss. Das macht eine nachhaltige Bewirtschaftung der Fischbestände praktisch unmöglich. Dabei muss man bedenken, dass viele dieser Reusen sogenannte 'Kettenreusen' sind, die aus mehreren - manchmal Dutzenden - hintereinander geschalteten Reusen bestehen.

Zusätzlich wird in diesen Gewässern noch mit zahlreichen Zugnetzen, Stellnetzen (Kiemennetzen) und Elektrofischgeräten gefischt.

Es gibt Hinweise, dass in den letzten Jahren wegen des Rückgangs des Aales in den Binnengewässern mit mehr Reusen gefischt wird, um die rückläufigen Fänge zu kompensieren.

Umfang der Fischerei in den Küstengewässern

Auch außerhalb der Mündungen von Abzugsschleussen, wie die Haringvlietschleussen, die Schleussen von Den Oever (Ysselmeer) und Kornwerderzand (Ysselmeer), wird mit Reusen und häufig mit Kiemennetzen und sogar Schleppnetzen gefischt. Eine ähnliche Situation herrscht bei der Mündung des Nieuwe Waterweg bei Hoek van Holland, wo die Hafendämme häufig mit Stellnetzen (Kiemennetzen) abgesperrt sind. Diese künstlichen 'Mündungen' von Rhein und Maas sind wichtige Ein- und Auswanderungspunkte für die Wandersalmoniden.

Übrigens gibt es entlang der ganzen niederländischen Küste eine sich immer noch intensivierende Fischerei mit Kiemennetzen auf Wolfbarsch, Zungen, Schollen und Meeresäschen. Aus ausländischer Literatur hat sich ergeben, dass bei dieser Art von Fischerei auch erhebliche Beifänge von Salmoniden und von Seesäugetieren, wie Schweinswalen, Delfinen und Seehunden auftreten.

Öfter wird der Eindruck erweckt, als ob die Fischerei mit Kiemennetzen eine relativ 'saubere' Fischerei im Vergleich zur Schleppnetzfischerei wäre. Durch die hier erwähnten Beifange ist das sicher nicht der Fall.

Immer mehr Berufsfischer, die mit anderen Methoden der Meeresfischerei aufhören, schalten in letzter Zeit auf die sogenannte 'kleine Küstenfischerei' mit manchmal kilometerlangen Stellnetzen um. Dadurch ensteht eine neue Überfischung und eine große Bedrohung für die Wanderfischprogramme der Rheinanliegerstaaten. Lachse ziehen während zweier Lebensphasen durch die niederländischen Küstengewässer, während Meerforellen und Schnäpel sich dort ständig aufhalten.

Ausser Berufsfischern beschäftigen sich noch mehr als 1000 sogenannte 'Nebenerwerbsfischer' mit der Fischerei mit Kiemennetzen vom Ufer oder Strand.

Sportfischerei Niederland (NVVS) ist der Meinung, dass diese 'Hobby-Fischerei' im Meer und in Küstengewässern so schnell wie möglich beendet werden sollte. Dafür sollen keine neuen Erlaubnisscheine mehr ausgegeben und keine bestehenden Erlaubnisscheine mehr erneuert werden.

Fänge von Jungsalmoniden

Ein unbekannter Faktor ist der Fang von Jungsalmoniden (Smolts), die in den Flüssen abwandern, um sich in der Brackwasserzone auf Salzwasser umzustellen. Wegen der großen Anzahl von Reusen, dürften auch hier ungezielt erhebliche Zahlen von Smolts gefangen werden.

Auch bei der Schleppnetzfischerei auf Garnelen werden vermutlich viele Jungsalmoniden gefangen. Der Umfang dieses Problems ist noch unbekannt.

Es fehlt einfach an Kenntnis, was mit den Smolts in den niederländischen Gewässern passiert. Hier besteht ein großer Untersuchungsbedarf.

Historische Pflicht der Niederlande

Die ehemalige niederländische Ministerin Neelie Smit Kroes hatte in 1986 das ehrgeizige Projekt Lachs 2000 vorgeschlagen, das den ausgestorbenen Lachs wieder in den Rhein zurückbringen sollte.

Die Niederlande hatte sich in der Benelux-Vereinbarung mit Belgien in 1992 dazu verpflichtet, Wanderfischen in der Maas wieder 'freie Bahn' zu bieten. Schon in 1885 hatten sich die Niederlande im Lachsvertrag von 1885, der heute noch gültig ist, mit den Rheinanliegerstaaten Deutschland, Schweiz und Luxemburg zu weitgehenden Einschränkungen der Fischerei und weiteren Schutzmaßnahmen verpflichtet.

Schutzmaßnahmen

Sehr kurzfristig sollen effektive Maßnahmen getroffen werden, um den Beifang von Salmoniden zu beschränken.

Diese fischereifreien Zonen wurden schon in den Schutzmaßnahmen für Wanderfische im Jahr 2000 aufgenommen, aber sie sind bedauerlicherweise nur bei neu ausgegebenen Erlaubnissen rechtsgültig. Da im Flussgebiet fast keine neuen Erlaubnisse mehr herausgegeben worden sind, ist diese Maßnahme nie umgesetzt worden. Daher muss diese Schutzmaßnahme konsequenterweise auch für bestehende Fischereirechte gelten!

Diese fischereifreien Zonen müssen nach Meinung der Sportfischerei Niederland (NVVS) selbstverständlich auch für Sportfischer gelten. Obwohl diese Wehre beliebte Angelstellen für Sportfischer sind, ist Sportfischerei Niederland (NVVS) der Meinung, dass zum Schutz geschützer Wanderfische auch die Sportfischerei ihren Beitrag leisten muss.

Mehr Untersuchungen

Sehr kurzfristig sollte eine tiefgehende Untersuchung gestartet werden, die Art und Zahl der angewendeten Fischereigeräte in niederländischen Flüssen, im Flussdelta, im Ysselmeer und in der Nordsee entlang der niederländischen Küste und ihre Effekte auf die Salmoniden erfasst.

Die bisherigen Untersuchungen waren hinsichtlich Methoden und Schlussfolgerungen häufig mangelhaft.

Sportfischerei Niederland (NVVS) schlägt darum vor, die Untersuchung unter der Regie der Niederländische Lachsplattform unter Leitung des ehemaligen stellvertretenden Premierministers Prof. Dr. Jan Terlouw durchführen zu lassen. In der Lachsplattform sind u.a. Angelsport, Berufsfischerei, Umweltorganisationen und Untersuchungsanstalten vertreten.

Mit Rücksicht auf die internationale Dimension des Problems, ist es empfehlenswert, eine 'Resonanzgruppe' mit Vertretern der Behörden, Lachswiedereinbürgerungsinitiativen und Wissenschaftlern aus anderen Maas- und Rheinanliegerstaaten bei dieser Untersuchung zu implementieren.

Ergebnis dieser Untersuchung sollten konkrete Emfehlungen für Maßnahmen zur Vermeidung von Salmonidenbeifängen sein.

Bessere Kontrolle

Die Kontrolle der bisherigen Rücksetzpflicht von Lachs und Meerforelle ist bis heute absolut ungenügend. Es fehlte nicht nur ausreichendes Personal beim allgemeinen Inspektiondienst (AID), sondern auch die Intensität der Kontrollen und die Kommunikation waren häufig mangelhaft. Sogar noch in 2003 - drei Jahre nach Einführung der Rücksetzpflicht - waren einige Mitarbeiter des AID offensichtlich nicht über diese Schutzmaßnahme informiert.

Alle bestehenden und neu zu ergreifenden Maßnahmen müssen unbedingt effektiv kontrolliert werden.

Unsere Nachbarstaaten investieren sehr viel Geld und Arbeit bei der Wiedereinbürgerung von ausgestorbenen Wanderfischarten. Hier besteht ganz bestimmt die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den Niederlanden, um Lösungen zu finden. Der Umweltminister von Nordrhein Westfalen, Herr Eckhard Uhlenberg, hatte während des IKSR-Symposiums am 2. November in Bonn zugesagt, der Niederlande bei der Problemlösung zu helfen.

Sportfischerei Niederland (NVVS) möchte in Zusammenarbeit mit 'Der Atlantische Lachs e.V.' interessierte niederländische Parlamentarier zu einer Exkursion an einige Lachswiederansiedlungsgewässer in Deutschland einladen. Hierbei werden die Abgeordneten mit eigenen Augen sehen können, welche Anstrengungen bereits gemacht wurden und das diese Projekte nur gemeinsam zum Erfolg geführt werden können.

Amersfoort, den 14. November 2005

Fred Bloot und Franklin Moquette
Sportvisserij Nederland (NVVS)
nvvs@tip.nl

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