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E-Mail Kampagne: Netzfischerei in den Niederlanden

Gesendet: Sonntag, 16. Oktober 2005 10:16
Betreff: Fischerei und Verluste von Lachsen und Meerforellen im Rheindelta

Sehr verehrte Damen und Herren Abgeordnete des Niederländischen Parlaments,

ich wende mich heute an Sie, weil ich als Angehöriger der Schutzgemeinschaft Mühlbach im Naturpark Nassau e.V. zusammen mit vielen Freunden seit Jahren darin engagiert bin, die Wiedereinbürgerung des Lachses in unseren Gewässern und ganz speziell im Flusssystem der Lahn und in einem ihrer Nebenflüsse, dem Mühlbach, zu fördern. Die Gegend um Nassau ist vielen Ihrer Landsleute sehr gut bekannt, weil viele von Ihnen bei uns Ihren Urlaub verbringen.

Wir von der Schutzgemeinschaft kümmern uns darum, dass die Junglachse in unserem Bach ausgesetzt werden, dass wir die natürliche Struktur des Gewässers fördern, nach Hochwassern den eingeschwemmten Müll entfernen, Einleitungen von Schadstoffen unterbinden, alle Maßnahmen bei der Fischerei unterlassen, die Junglachse gefährden könnten, die Kontrollbefischungen durch die Behörden unterstützen und nicht zuletzt in jeden Jahr 20.000 Lachssetzlinge in unserem Fischereigebiet großziehen. Die Schutzgemeinschaft Mühlbach erhielt für diese Anstrengungen, die sich auf die gesamte Fauna und Flora richten, einen Umweltpreis. Unsere Tätigkeit ist als kleines aber wichtiges Teilstück im Bemühen aller Anliegerstaaten des Rheines zu sehen (Luxemburg, Schweiz, Frankreich und Deutschland) den Atlantischen Lachs wieder im Rheinsystem heimisch zu machen. Dazu wurden und werden pro Jahr mehr als eine Million Lachssetzlinge ausgesetzt. Nun ist festzustellen, dass trotz dieser intensiven Besatzmaßnahmen die Anzahl der Rückkehrer sich nicht stabilisiert oder - wie anzunehmen wäre - steigt, sie geht stetig zurück.

Nach unseren großen Erfolgen bei der Aufzucht der Junglachse, die sich gerade in unserem Bach hervorragend entwickeln, hatten wir schon länger die Befürchtung und die Vermutung, dass das eigentliche Problem für die Rückkehr des Lachses im Niederländischen Rheindelta läge.

Der Artikel vom 20.07.2005 in der niederländischen Tageszeitung "De Volkskrant" war in dieser Beziehung sehr aufschlussreich und bestätigt unsere seit Jahren gehegten Vermutungen sehr eindrucksvoll. Ich gehe davon aus, dass Sie den Artikel kennen und dass auch Sie zur Lösung der Probleme beitragen möchten. Durch diesen Artikel erfuhren die Schutzgemeinschaft, dass nahezu alle Lachs- und Meerforellen - Rückkehrer in den Rhein von den vielen Tausend Netz- und Reusenfischern gefangen und sogar illegal vermarktet werden. Im Delta des Rhein stehen nach unseren Informationen Tausende Netze und Reusen, die weder den abwandernden Junglachsen noch den erwachsenen Rückkehrern ein Durchkommen ermöglichen. In Kiemennetzen und Reusen gefangene und selbst zurückgesetzte Fische sind durch die in den Netzen und Reusen entstehenden Schleimhaut- und Kiemenverletzungen dem sicheren Tod geweiht.

Nun erfuhr ich zusätzlich, dass der Allgemeine Inspektionsdienst (AID) des verantwortlichen niederländischen Ministeriums für Landwirtschaft, Natur und Ernährungsqualität keinen Grund für gezielte Kontrollen der aus meiner Sicht ausgeuferten und überzogenen (und illegalen !?) Netz- und Reusenfischerei im Rheindelta sieht. Illegal, so meine ich, ist in jedem Falle der Fang wandernder Salmoniden, weil nach meinem Wissen der Lachs auch in den Niederlanden aus Naturschutzgründen geschützt ist und nicht gefangen werden darf.

Wenn ich bedenke, wie viele Stunden und Tage wir und viele andere Interessierte und Naturschützer in jedem Jahr mit der Erbrütung, Aufzucht, dem Besatz der Lachse und den kontinuierlichen Kontrollen ehrenamtlich beschäftigt sind, um diesem Artenschutzprojekt zum Erfolg zu verhelfen, so ist völlig unverständlich, dass Ihre zuständigen Behörden nicht angemessen in die ausgeuferte Netz- und Reusenfischerei eingreifen.

Ich bitte Sie deshalb - auch für die Angehörigen der Schutzgemeinschaft Mühlbach im Naturpark Nassau e.V. - sich dafür einzusetzen, dass in den Niederlanden diese Netz- und Reusenfischerei unterbunden wird, indem die zuständigen Ministerien und Behörden ihren Verpflichtungen nachkommen, die gültigen Gesetze angemessen durchzusetzen. Geschieht dies nicht, dann sind unsere vielfältigen Bemühungen um den Naturschutz vergebens und werden von unseren zuständigen Stellen große Summen umsonst ausgegeben.

Meine sehr verehrten Damen und Herren Abgeordnete, ich würde mich mit meinen Freunden sehr freuen, wenn Sie sich persönlich dafür einsetzen würden, dass der Fang und der gesetzeswidrige Verkauf von Lachsen und Meerforellen in den Niederlanden unterbunden wird. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich von Ihnen eine Antwort erhielte. Sollten Sie einmal in unsere Gegend kommen, dann biete ich Ihnen von der Schutzgemeinschaft Mühlbach im Naturpark Nassau e.V. an, dass wir Sie in unser Wiederansiedlungsprojekt und in unsere schöne Landschaft einweisen. Ich werde die für uns in dieser Sache zuständigen Behörden und den Naturpark Nassau an diesem Schreiben beteiligen.

Ich danke Ihnen sehr für Ihre Bemühungen und Ihre Unterstützung und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

gez. Jürgen Eigenbrod

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