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Mit einem Aal in der Reuse schon zufrieden

Volkskrant, 21. Mai 2007

Reportage

Bart Kraan aus Urk hat selbst die Zügel in die Hand genommen. Er setzt gezüchtete Aale aus, um so die Art zu retten.
(Ein Bericht von Michiel Haighton)

Kudelstaart/Urk

Wer an den düsteren Berichten über den Aalbestand zweifelt, sollte mal einen Morgen in den Westeinderplassen angeln gehen. Ein Gewässer bei Aalsmeer, das früher einmal auch als „Aalsee“ bezeichnet wurde. Fast alle Reusen, die der Berufsfischer Theo Rekelhof in seinem Motorboot an Bord zieht, sind bis auf einige Flusskrebse und einen Wels leer. „Und nicht zu viele Aale essen!“, ruft Rekelhof dem Wels nach, als er den Fisch wieder zurückwirft. „Welse sind richtige Vielfraße.“

Bei der fünfzehnten Reuse hat Rekelhof endlich etwas gefangen. Ein fetter Aal flutscht in das Netz. Zum ersten Mal an diesem Morgen erscheint ein Lächeln auf seinem Gesicht. „Heutzutage bin ich schon froh, wenn ich nur einen Aal antreffe. Früher zappelten bestimmt fünf bis zehn im Netz“, so Rekelhof (50), dessen Vater, Großvater und Urgroßvater ebenfalls ihr Brot als Aalfischer verdienten. „Die haben noch goldene Zeiten erlebt.“

Um die Situation zu ändern, hat Rekelhof sich letzten Monat an einer Rettungsaktion beteiligt. Auf Initiative des Aalräucherers Bart Kraan aus Urk wurden fünfzigtausend kleine gezüchtete Aale ausgesetzt, unter anderem im IJsselmeer und in den Westeinderplassen. Die Aktion ist sehr ehrgeizig. Die Aalbrut muss in der freien Natur überleben, in sieben bis acht Jahren geschlechtsreif werden, den Reusen zu entgehen wissen, von den Niederlanden aus den Weg zum Laichgebiet der Aale (die Sargassosee bei den Bermuda-Inseln) zurücklegen und sich zum Schluss dort fortpflanzen, sodass ihre Nachkommen wieder nach Europa wandern können.

„Der Natur unter die Arme greifen“, nennt der Aalfischer und -händler seine Rettungsaktion. „Wenn diese Aktion in großem Umfang Nachahmung findet, kann der Aalbestand in ein paar Jahren wieder dasselbe Niveau wie vor zehn Jahren haben.“ Die Initiative von Kraan kommt zu einem Zeitpunkt, in dem die europäischen Verhandlungen über einen Rettungsplan im Sande verlaufen sind. In den letzten fünfzig Jahren hat die Anzahl der Aale in Europa um 90 % abgenommen. Wissenschaftlern zufolge ist die Art vom Aussterben bedroht. Das Aussetzen von Zuchtaal in der freien Natur ist Kraan zufolge nicht neu. „In Deutschland und einigen osteuropäischen Ländern findet es schon seit einigen Jahren in ziemlich großem Umfang statt. Auch in den Niederlanden wurden letztes Jahr schon eine Anzahl an Zuchtaalen ausgesetzt.“ Zuchtaal ist übrigens nicht das richtige Wort für den Fisch, der in den Aalfarmen fett gemästet wird. Aal lässt sich nicht züchten. Aalfarmen kaufen wilde Glasaale, die vor der südeuropäischen Küste gefangen wurden. In acht bis zwölf Monaten werden die Aale in großen Kunststoffbehältern auf das erforderliche Gewicht hochgefüttert. Der Fischereibiologe Willem Dekker vom niederländischen Reichsinstitut für Fischereiforschung (RIVO) hat kein Vertrauen in die Rettungsaktion. „Wie soll denn ein Tier, das als Glasaal in Frankreich aufgefischt wurde und in den Niederlanden mit tausenden Leidengenossen zugleich unnatürlich schnell fett gemästet wurde, zum Atlantik zurückfinden?“ Dekker zufolge sind „realistischere“ Maßnahmen erforderlich. Zum Beispiel die Abkündigung eines allgemeinen Fangverbots und das Stilllegen von Wasserkraftwerken zu festgelegten Zeiten. „Und selbst dann dauert es noch sechzig Jahre, bis der Bestand sich wieder erholt hat.“

Theo Rekelhof dauert das zu lange. Während er seinen Tagesfang (vier Kilo) zum Räuchern in der eigenen Räucherei sortiert, sagt er: „Ich glaube, dass die Aalfischer eher aussterben werden als die Aale selbst.“

Aale aus großen Flüssen voller Giftstoffe

Wie Lachs und Hering gilt Aal als gesunder Fisch, der viele Omega-3-Fettsäuren enthält. Aber wer auf seine Gesundheit achten will, streicht Fische, die in einem der großen niederländischen Flüsse gefangen wurden, besser vom Speiseplan. Aus einer Studie der niederländischen Lebensmittel- und Warenaufsichtsbehörde (VWA) ergab sich, dass diese Aale so viele Dioxine und PCBs enthalten, dass es, wenn man sie jeden Monat isst, nach einigen Jahren "zu Beeinträchtigungen des Immunsystems, der Fortpflanzung und der Gehirnentwicklung" kommen kann. Sportvisserij Nederland hat letzte Woche aufgrund dieser VWA-Studie Anglern empfohlen, keine gefangenen Aale mehr zu essen. Die meisten Aale, die in den Niederlanden gegessen werden, sind gezüchtet und daher unbedenklich. Auch Aale aus dem IJsselmeer dürfen gegessen werden.

In den Niederlanden wird etwa 10 Millionen Kilo Aal pro Jahr verzehrt. Ungefähr 95 Prozent davon stammen aus Aalfarmen, 2 Prozent kommen aus den großen Flüssen. Dem niederländischen Berufsfischerverband (Combinatie van Beroepsvissers) zufolge wird der größte Teil der in den verschmutzten Flüssen gefangenen Aale nach Deutschland exportiert.

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